Börsencrash in China – Welche Auswirkungen hat die Krise auf den deutschen Aktienmarkt?

Die Wirtschaft Chinas wächst nach eigenen Angaben bekanntlich seit Jahren um mindestens 7 Prozent. Bei der Größe des Landes ist das eine gigantische Leistung. Gleich einer Lokomotive, die mit Volldampf in die Zukunft braust. Allerdings musste jedem klar sein, dass dieser Lok auch einmal die Puste ausgehen kann.

Chinas Wirtschaftsdaten sind im Keller, was ist passiert?

Am ersten Handelstag des neuen Jahrs 2016, verschaffte sich der Dampf der Lokomotive China nunmehr Platz um zu Entweichen. Die durch staatliche Regulierung aufgezwungene Haltefrist von sechs Monaten zum Verkauf von Aktien läuft am 8.1.2016 aus, weswegen die Märkte nun die Gelegenheiten nutzen, um die chinesischen Aktien abzustoßen. Ausschlaggebend ist der veröffentlichte Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe, der seit zehn Monaten den Rückwärtsgang eingelegt hat und derzeit bei 48,2 Punkten liegt. Da er unter 50 Punkten liegt, signalisiert er eine schrumpfende Industrieproduktion. Damit gesellt sich der Index zu den vielen Indikatoren und Daten, die auf ein zunehmend schwächeres Wachstum hindeuten.

Regierungskampf gegen wirtschaftlichen Abschwung

In China wird der Markt zentralistisch gelenkt. Deshalb hat die Regierung in der Vergangenheit beschlossen, unter anderem den Yuan abzuwerten, wodurch chinesische Produkte billiger werden sollten. Die sich verlangsamende Wirtschaft sollte auf diesem Weg wieder Fahrt aufnehmen. Jedoch zeigten sich in der Vergangenheit bereits Anzeichen dafür, dass es mit leichten Kurskorrekturen durch Währungsabwertungen und der Anpassung von Zinsen und Kreditvolumina nicht getan ist.
Bereits in unserem Artikel vom 16.10.2010, „Was hat China mit Ihrem Ersparten zu tun“, zeigten wir auf, wie extrem hoch die Bedeutung der Verlagerung wirtschaftlicher Zentren in Richtung China ist. Wenn die Wall Street niest, dann bekommt die ganze Welt einen Schnupfen. So lautet ein bekannter Börsenspruch. Heute sagt man, dass wenn China hustet, die globalen Märkte eine heftige Grippe bekommen. Wie bereits erwähnt, sind die wirtschaftlichen Zentren dabei sich kräftig zu verschieben.

Was bedeutet die China-Krise für Europa beziehungsweise Deutschland?

Wir profitierten bisher als Exportweltmeister von dem wirtschaftlichen Erwachen der Chinesen. Und was nun, da China gegen den wirtschaftlichen Absturz kämpft? Heute ist das Land mit 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung die zweitgrößte Ökonomie der Welt und exportiert mittlerweile ebenfalls seine Krisen mit in diese Welt. Wir in Europa sind auf einen funktionierenden Markt Chinas angewiesen, denn die Chinesen sollen unsere Autos und andere technischen Produkte genauso kaufen wie unsere Pharmaprodukte. Immerhin hängt in Deutschland auch jeder siebente Arbeitsplatz an der Automobilindustrie. Das werden die Werktätigen von Volkswagen, Daimler und BMW zu spüren bekommen.

Anleger sollten sich nicht verrückt machen lassen

Als Anleger sollte man Wertpapiere jetzt aber nicht verteufeln, sondern seine Vermögens- und Sparanlagen noch stärker streuen oder ausgewählte Wertpapiere erwerben. Investment in breit gestreute Wertpapiere heißt das Gebot der Stunde, wobei man sich nicht verrückt machen lassen sollte. In 2016 werden noch weitere Wirtschaftsbeben zu spüren sein, wodurch die Schwankungsbreite der Börsenkurse nicht gerade kleiner wird. In Zeiten des Anlagenotstandes gibt es kaum Alternativen und Aktien sind ebenfalls Sachwerte. Neben den Verwerfungen am Aktienmarkt gibt es aber auch positive Faktoren die man nicht unterschätzen sollte. Der billige Ölpreis verringert die Produktionskosten, der günstige Euro verbilligt zudem die Produkte und die niedrigen Zinsen fördern Investitionen.
Noch ist der Börsencrash in China kein Vorbote einer globalen Finanzkrise. Allerdings schwächt der Crash möglicherweise die Wirtschaft in der Volksrepublik und hemmt so das weltweite Wachstum. Daher sollten wir in dieser zunehmend globalen Welt dennoch auch auf den europäischen Markt bauen.