Neue Reform der Investmentbesteuerung

Anlegern stehen gravierende Änderungen in der Fondsbesteuerung bevor. Zukünftig sollen Fonds und Anleger getrennt besteuert werden, was zu einer Steuermehrbelastung und weniger Rendite führen wird. Auch wenn das Gesetz erst zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt, ist es jetzt entscheidend, sich zu informieren und die eigene Anlagestrategie entsprechend zu rüsten.

Entwertung des Sparfreibetrags

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) veröffentlichte vor kurzem erste Ideen zur geplanten Reform der Investmentbesteuerung. Diese sieht eine echte Besteuerung von Investmentfonds vor, wodurch sich nicht nur die Art der Besteuerung verändert, sondern auch die Besteuerung der Erträge auf Ebene des Fonds. Bisher wurden die Erträge, also die Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne nur auf Ebene des Anlegers besteuert, so dass der Fonds grundsätzlich keine Ertragsteuern zu zahlen hatte. Dies soll sich nun ändern.
Künftig soll ein Investmentfonds 15 Prozent Steuern auf Kapitalerträge an das Finanzamt abführen, welche nicht erstattet werden. Auf der Seite der Anleger sind die ausgeschütteten Erträge und die Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf der Fondanteile zum Teil steuerfrei.
Anstelle einer Besteuerung von ausschüttungsgleichen Erträgen beim Anleger erfolgt zukünftig eine Besteuerung auf Basis der sogenannten Vorabpauschale. Diese beläuft sich auf 80 Prozent des Basiszinssatzes (§ 203 BewG) und wird mit dem Rücknahmepreis des Fondsanteils zum Beginn des Jahres multipliziert. Hört sich kompliziert an und stellt eine Abkehr vom bisherigen Transparenzprinzip dar, wonach erst auf der Ebene des Anlegers eine Besteuerung stattfand.
Für Privatanleger bedeutet dies eine Entwertung des Sparerfreibetrages, denn eine 15-prozentige Ertragsbesteuerung auf Fondsebene kann eben nicht durch den Sparerfreibetrag des Anlegers neutralisiert werden. Dies ist für die Anlage an einem Investmentfonds eine deutliche Schlechterstellung gegenüber einer Direktanlage.

Vom Anleger zum Aktienexperten für eine hohe Rendite?

Für Anleger haben Fonds gegenüber den Direktanlagen derzeit den wichtigen Vorteil, dass aufgrund der breiten Streuung in diverse Anlagen nur ein geringeres Anlagerisiko besteht. Durch die neue Besteuerung wirkt der Staat in seinem Lenkungsrecht auf die Form der Anlage ein und zwingt den Sparer dazu, in risikoreichere Direktanlagen zu investieren, denn hinsichtlich des Sparerfreibetrages ergibt sich künftig für die Anlage in Fonds eine schlechtere Rendite.

Ein Beispiel

Der Anleger einer Direktanlage erhält 400 Euro durch Dividendenausschüttung. Durch die Nutzung des Sparerfreibetrages war die Ausschüttung bisher steuerfrei, denn mögliche Kapitalertragsteuern wurden bei der Einkommensteuer erstattet. Unter Berücksichtigung der

neuen Besteuerungsform würde der Fonds von den 400 Euro nun 15 Prozent an das Finanzamt abführen. Somit erhält der Anleger nur noch 340 Euro, somit 60 Euro weniger als vorher. Eine Erstattung auf der Ebene des Anlegers ist nicht mehr möglich, da die Besteuerung jetzt an einer anderen Stelle ansetzt, nämlich nicht beim Anleger, sondern beim Fonds selbst. Die ist auch der Fall, wenn der Anleger die Steuerfreibeträge noch nicht ausgeschöpft hat.

So schafft man sich eine fundierte Planungsgrundlage

Die genannten Gründe für diese Reform des Investmentsteuerrechts reichen von Reduzierung der Gestaltungsanfälligkeit, Verhinderung aggressiver Steuergestaltung bis hin zur besseren Administrierbarkeit des Investmentsteuerrechts. Ergebnis einer derartigen Neuregelung wird aber sein, dass Anleger von risikoärmeren Anlageformen ihre Anlagestrategie anpassen müssen. Während dem verantwortungsbewussten Sparer unter anderem seine eigenverantwortliche Altersvorsorge erschwert wird, erhält der Staat so höhere Einnahmen und verkauft dies als Reform. Sprechen Sie daher mit Ihrem unabhängigen Honorarberater und sorgen für eine gute Planung.